Elfsteden Roeimarathon

20 . Mai. 2023

210 km rudern. Eine Distanz, die bei vielen Langstreckenruderern das Herz höherschlagen lässt, denn dann heißt es wieder: Elfsteden Roeimarathon!

Bereits zum zehnten Mal stellten sich Ruderinnen und Ruderer der RuderING-AG und des RC Süderelbe dieser Challenge. In Teams von zwölf Personen wird die Strecke immer abwechselnd in einem gesteuerten Gig-Zweier absolviert. Während neun Leute in einem 9-Sitzer über die Straßen Hollands zur nächsten Wechselstelle eilen, geben die beiden Rudernden und die Steuerperson ihr Bestes, um schnellstmöglich ihre 5 bis 11 km lange Strecke auf den teils schmalen Kanälen der Niederlande zu bewältigen.

Doch fangen wir von vorne an.

Der Tag der Anreise

Nach wochenlanger Planung und Vorbereitung standen am Vatertag, dem 18.05.2023, um 9:00 Uhr 15 hochmotivierte Ruderer am Ruderclub Süderelbe, heiß darauf, in die Niederlande zu fahren. Sechs weitere starteten aus Berlin, Stuttgart und Frankreich.

Wer halbwegs gut rechnen kann, stellt fest: das sind nur 21 Personen. Richtig. Zwei krankheitsbedingte Ausfälle und ein Platz, der bis zum Schluss nicht besetzt werden konnte, machten aus der sowieso schon harten Challenge eine noch härtere. Unsere beiden Teams mussten folglich mit zehn bzw. elf Ruderern auskommen.

In den Niederlanden angekommen, wurde zunächst das Gemeinschaftszelt aufgebaut, welches uns freundlicherweise dieses Jahr vom FSR Schiffbau ausgeliehen wurde. Vielen Dank nochmal! Es folgten die vielen kleinen Zelte zur Übernachtung.

Das Camp

Die beiden Boote „Trave“ und „Seeschwalbe“ wurden direkt nach Ankunft abgeladen, aufgeriggert und für die Tour mit Pumpen, Beleuchtungen, Luftsäcken und Abdeckungen ausgestattet.

Seeschwalbe und Trave

Abends stärkten wir uns mit prall gefüllten Wraps und ließen den Abend bei ein paar netten Gesprächen im Gemeinschaftszelt ausklingen. Bevor sich alle in ihre kalten Schlafsäcke einkuschelten, wurden noch die diesjährigen leuchtenden Landerkennungen und damit auch das Logo des Teams „Die 12 lustigen 3“ vorgestellt. Alle der zwölf (bzw. jetzt nur noch zehn) Teammitgliedern sollten sich in den 3 lustigen Tieren und deren Gegenständen wiederfinden können. Eine Möwe für die Hamburger, ein Bär für die Berliner und ein Nilpferd als „gemütliches, am Wasser lebendes Tier“. Die Landerkennung des Teams „Wir sind bald da!“ – die Fortführung des Teams „Sind wir bald da?“ vom letzten Jahr – basierte wieder auf einem Spongebob-Meme. Auf das Logo mussten die Teammitglieder jedoch noch bis zur Präsentation der T-Shirts warten.

Der Tag des Starts

Während einige erst um 8:00 Uhr von ihrem Wecker aus dem Schlaf gerissen wurden, hielten es andere schon um 7:30 Uhr nicht mehr in ihren Zelten aus und bereiteten das Frühstück vor. Gegessen wurde dann aber erst pünktlich um 8:30 Uhr – so wie es vom straffen Zeitplan vorgegeben war.


8:30 Uhr Frühstück
Danach Abwaschen
10:00 Uhr Wechseltraining
12:00 Uhr Teambuilding
13:00 Uhr Mittag kochen
14:00 Uhr Mittagessen

Bevor es mit dem Wechseltraining weitergehen konnte, wurden die diesjährigen T-Shirts enthüllt und verteilt. Neonorange! Eine Farbe, die nach blau (2015), rot (2016), neonpink (2017), neongrün (2018), neongelb (2019) und mint (2022) wirklich noch gefehlt hat.

Schließlich machte sich ein Meer aus orange leuchtenden T-Shirts auf den Weg zum Wechseltraining.

Wechseltraining

Geübt wurden: das Wechseln der Mannschaften, das An- und Ablegen, sowie einige Manöver – z. B. die Durchfahrt unter sehr engen und sehr flachen Brücken. Die Stemmbretter mussten so eingestellt werden, dass diese während der Tour nicht mehr verstellt werden müssen und trotzdem alle damit rudern können. Nach fast drei Stunden und vielem hin und her konnte sich auch das Team „Wir sind bald da!“ für eine Einstellung entscheiden. Da dies jedoch den Zeitrahmen komplett sprengte, musste leider auf das Teambuilding verzichtet werden. Wobei die Diskussion um das Ein- und Umstellen wahrscheinlich schon Teambuilding genug war.

Das Team „Die 12 lustigen 3“ begann in der Zwischenzeit schon mit der Zubereitung des Mittagessens – Nudeln mit Gemüsetomatensoße. Nach einem vorbereiteten Rezept wurden Massen an Gemüse klein geschnitten, angebraten und unter der Aufsicht des Küchenteams zu einer leckeren Soße verarbeitet.

Der Nachmittag wurde mit den letzten Vorbereitungen für die Tour verbracht – Essen verpacken, Wechselsachen in Kisten sortieren, Autos beladen, ausführliche Teambesprechungen. Schließlich ging es um 19:00 Uhr Richtung Start – jeweils drei Personen im Boot, der Rest in den Autos. Mit unseren recht weit vorne liegenden Startnummern 7 („Wir sind bald da!“) und 17 („Die 12 lustigen 3“) mussten wir uns an vielen Booten vorbeidrängeln, bevor um 20:00 Uhr der Startschuss für das erste Boot fiel.

Start

Und dann gab es kein Zurück mehr – 210 km lagen vor uns und den anderen 91 Teams. Das Team „Wir sind bald da!“ kämpfte sich recht schnell auf Platz 4 vor, das Team „Die 12 lustigen 3“ musste leider ein paar Boote an sich vorbeiziehen lassen. Nichtsdestotrotz war das erst der Anfang einer langen Tour.

Die ersten Stunden und Ruderstrecken gingen vergleichsweise schnell vorbei und auch die ersten Stempel in den verschiedenen Städten waren zügig eingesammelt. Es bildete sich eine Routine aus: Fahren zur nächsten Wechselstelle, in der Zeit irgendwas Essen und Energie nachtanken, genügend trinken, warten, Leute auswechseln, zurück ins Auto und Fahren zur nächsten Wechselstelle, in der Zeit irgendwas… ach ihr wisst schon. Dabei fast immer auf der Suche nach der nächsten Toilette und einer der Karten in der Hand, um die nächste Ruder- bzw. Steueretappe zu studieren. Auf dem Wasser wurde sich über jede noch so kleine Abwechslung gefreut: eine Stadt, eine Brücke, ein Schaf – alles, nur kein Schilf. Das Highlight war jedoch immer ein Boot in der Nähe, denn dann gab es nur zwei Möglichkeiten. Wenn es vor einem war: Überholen! Und wenn es hinter einem war: Auf keinen Fall überholen lassen!

Impressionen vom Marathon

Während das Team „Wir sind bald da!“ seine Position rund um Platz 5 sehr gut halten konnte und somit an den Wechselstellen immer die gleichen wenigen Gesichter traf, dadurch aber eigentlich nie Parkplatzprobleme hatte, stürzte sich das Team „Die 12 lustigen 3“ voll ins Getümmel. Parkplatzsuche und Wartezeiten an den Wechselstellen waren einerseits nervig, andererseits gab es sehr viel Abwechslung und eine deutlich spannendere Tour.

Auch wenn sich einige fragten, warum genau sie jetzt um 4:00 Uhr morgens in Ruderklamotten an einem Kanal irgendwo in Holland stehen, statt einfach Zuhause im warmen Bett zu liegen und andere um 12:00 Uhr mittags fast im Stehen eingeschlafen sind, zogen alle die Tour bis zum Ende durch – kleine Nickerchen im Bus oder kuschelnd mit dem großen „Ran-zieh-Haken“ an der Wechselstelle eingeschlossen.

Wechselstelle

Das letzte Drittel der Tour wurde noch einmal richtig hart – Gegenwind. Schlag für Schlag kämpften sich die beiden Teams weiter in Richtung Ziel. Auch wenn man bei jedem Schlag dachte, dass man sowieso direkt wieder steht, kamen die Boote trotzdem ordentlich vorwärts. Und immerhin hatten wir den kleinen Trost, dass sich alle Teams durch den gleichen Gegenwind kämpfen müssen.

Doch auch diese Herausforderung wurde erfolgreich gemeistert und so erreichte nach 19 Stunden, 46 Minuten und 12 Sekunden das Team „Wir sind bald da!“ unter Gejubel, Applaus und dem Song „You shook me all night long“ von AC/DC als insgesamt 5. Team das Ziel. In der Kategorie „Offen“ sind sie damit sogar Platz 3.

Nach 22 Stunden, 40 Minuten und 14 Sekunden erreichte das Team „Die 12 lustigen 3“, die nur zu zehnt an den Start gingen, als insgesamt 35. Team ebenfalls bei Gejubel, Applaus und dem Song „Komplett im Arsch“ von Feine Sahne Fischfilet das Ziel. In der Tour-Wertung liegen sie damit auf Platz 21. Dass mit der Müdigkeit die Aufmerksamkeit sinkt, hat spätestens Tim im Ziel bewiesen. Beim Heranziehen des Bootes an die Uferkante war er seiner Mannschaft wortwörtlich einen Schritt voraus und testete für uns die Wassertemperatur.

Ziel

Nach der definitiv notwendigen Dusche und dem alljährlichen, viel zu süßen Kuchen wurden die Boote wieder verladebereit gemacht. Beim Ruderverein Wetterwille gab es gewohnt raue Mengen an Paella zum Abendessen – und eine schöne Aussicht auf den Kanal, auf dem auch letzten Boote nach und nach ins Ziel kamen. Für die restliche Abendgestaltung gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: sich entweder direkt in den Schlafsack zurückziehen und schlafen oder sich im Gemeinschaftszelt irgendwie noch ein paar Stündchen wachhalten, um nicht am nächsten Morgen bereits um 4:00 Uhr morgens wieder hellwach im Zelt zu stehen. Um 22:00 Uhr gaben dann doch auch die letzten Verbliebenen auf und holten sich ihren wohl verdienten Schlaf, bevor es am nächsten Morgen um 8:00 Uhr wieder Aufstehen und Frühstücken hieß.

Der Tag der Abreise

Den letzten Morgen gingen wir sehr entspannt an: Frühstück, kurze Lagebesprechung und dann in den Tag starten. Sachen aus dem Gemeinschaftszelt räumen, Gemeinschaftszelt abbauen, eigene Sachen packen und Zelte abbauen, alles im Hänger und den Autos verstauen, Boote aufladen und schließlich Abfahrt in Richtung Hamburg. Auch wenn einigen die Anstrengung der letzten Tage noch anzusehen war und der Drang stieg, schnell nach Hause zu kommen, liefen die einzelnen Arbeiten reibungslos ab. Die einen fuhren mit dem Hänger schon mal nach Hamburg vor, die anderen brachten das Leergut zurück, kauften noch ein paar Dinge ein, die es nur in den Niederlanden gibt und machten sich dann auf die Suche nach einem Frikandelladen. Nach einer erfolgreichen Stärkung traten auch sie den Heimweg an. In Hamburg angekommen, wurde der Hänger schnell abgeladen, die Autos leergeräumt, Gepäck und Sachen verteilt und alle konnten in ihr wohlverdientes, heimisches Bett fallen.

Spätestens jetzt blicken wohl alle mit einem Lächeln auf das vergangene Wochenende und das erruderte Leeuwarden-Kreuz und fragen sich, wann es denn endlich wieder Zeit für den Elfsteden Roeimarathon ist. Am 10. und 11.05.2024 heißt es in Leeuwarden wieder:

„Op je plaatsen, klaar, start!“

 

Geschrieben von Franziska Zieske – 25.05.2023
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