Elfsteden Roeimarathon 2026

15 . Mai 2026

Es war wieder Himmelfahrtswochenende und das bedeutet, dass es wieder los in die Niederlande zum Elfsteden Roeimarathon nach Leeuwarden ging. 

Mit guter Laune und einem Hörspiel von „Bob der Baumeister“ starteten wir am Donnerstag morgen vom Verein aus in Richtung Niederlande. Im Neunsitzer mit den Ruderern vom RCS, erlebten wir gewissermaßen die komplette Entwicklung eines Menschen auf akustischem Wege. Zunächst hörten wir „Bob der Baumeister“, passend zu unserem Teamnamen „Bob der Rowmeister“. Danach folgte ein Hörspiel von „Die drei ???“, das wir sehr zum Bedauern von Johannes nicht bis zum Ende gehört haben. Kurz vor der niederländischen Grenze kamen wir dann in den Genuss von „Radio Bollerwagen“, inspiriert durch Leute, die wir beim Tanken getroffen hatten. Als der Empfang schließlich abbrach, wechselten wir zu niederländischem Radio. Den Abschluss bildete ein niederländischer Schlagersender.

Am Campingplatz angekommen hieß es dann Gemeinschaftszelt und Privatzelte aufbauen, die Boote soweit bereit machen und für die Wraps zum Abendessen ganz viel Schnippeln. Dabei durften wir die sehr präzisen und schnellen Schnippelkünste von Christian bestaunen. Nach dem Abendessen haben wir noch etwas Teambuilding gemacht und damit war der Anreisetag schon zu Ende.

Elbinselmarathon 2025 Geesthacht

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück hat Franzi uns dann die diesjährigen T-Shirts enthüllt. Dieses Jahr gab es ein dunkelblaues T-Shirt mit reflektierender Schrift. Auf der Rückseite natürlich die Karte der Route, falls man während der Tour noch einmal spicken möchte, wo es überhaupt langgeht. Auf der Vorderseite sind alle Namen des jeweiligen Teams.

Dann hieß es schon die Boote zum Verein „Wetterwille“ zu rudern, um dort noch einmal Wechseltraining zu machen. Die Wechselstellen während der Tour sind in der Regel nicht an Stellen, an denen man klassischerweise in ein Boot steigen würde. Deshalb gibt es einen festen Ablauf, mit dem man die Leute möglichst effizient aus dem Boot herausbekommt und die neue Mannschaft wieder ins Boot rein. Das muss geübt werden.

Anschließend haben wir uns aufgeteilt. Es sind einige Leute beim Boot geblieben, um die Startunterlagen in Empfang zu nehmen und mit dem Verein die Abnahme des Bootes zu machen. Das Boot muss gewisse Kriterien erfüllen, damit man überhaupt starten darf. Dazu bekommt man noch eine Startnummer und eine Tonne mit GPS Tracker, damit man auch während der Tour mitverfolgen kann, wo sich die ganzen Boote befinden. Der Rest ist wieder zum Campingplatz gefahren und hat sich schon einmal um das Mittagessen gekümmert.

Als das alles geschafft war, gab es dann gemeinsam Mittagessen und eine Teambesprechung, bei der schon die ersten Etappen eingeteilt und eventuelle Rennstrategien besprochen wurden.

Nach dem Packen der Autos und weiteren Vorbereitungen ging es auch schon wieder zum Verein „Wetterwille“, an dem unser Boot noch lag. Von dort aus ruderte ein Teil der Mannschaft zum Start, während der Rest mit dem Auto dorthin fuhr.

Am Start waren sehr viele Boote, weshalb es etwas schwierig war, wieder zueinander zu finden. Glücklicherweise hatte Erik, unser Bob der Baumeister im Team, einen Bauhelm und eine Neonjacke an, was das Wiederfinden sehr vereinfacht hat. Da kam es auch noch zu einer lustigen Situation. Michel hatte laut nach Erik gerufen, damit er zeigen kann, wo wir stehen. Eine Niederländerin hatte dies mitbekommen und meinte: „Erik, Erik! Erik hört je niet“.

Mit einem kräftigen „Können wir das schaffen?“- „Jo, wir schaffen das!“ gingen wir dann auf Tour. Gestartet wird ab 20:00 Uhr im 20 Sekundentakt. Durch eine gute Leistung im letzten Jahr hatten wir den Startplatz 30.

Gleich auf den ersten Etappen konnten wir schon die ersten Boote überholen. Die erste Wechselstelle ist in einem privaten Vorgarten. Da letztes Jahr die Besitzer etwas von dem Ansturm der Ruderer überrascht wurden, wurde ihnen ein Prosecco versprochen, den wir ihnen dieses Jahr selbstverständlich mitgebracht haben. Dann ruderten wir Stunde um Stunde in Zweierteams plus Steuerperson auf den Kanälen der Niederlande. Der Regen war unser treuer Begleiter. Wir durften so gut wie jede Form von Regen erleben. Von Nieselregen bis Hagel war alles dabei, nur die Sonne hat auf sich warten lassen.

Mitten in der Nacht erreichte uns die Nachricht, dass wir anstatt der geplanten Route spontan die Alternativroute fahren müssen, weil das Wetter zu schlecht ist. Dank der guten Karten von Tim haben wir uns aber relativ schnell darauf einstellen können und dies hat uns wenig Probleme bereitet.

Der Moment, an dem man sich um 3 Uhr nachts an einem Kanal irgendwo in den Niederlanden stehend wiederfindet und sich fragt, was man da eigentlich gerade tut, durfte natürlich auch nicht fehlen. Aber dank guter Geschichten der Steuerleute verging die Nacht dann auch relativ schnell. Es wurde nicht nur einmal mitten in der Nacht ein Sonnenaufgang verkündet, ob das so stimmte, kann man sich selbst aussuchen.

Das Besondere an der Strecke des Elfsteden Roeimarathon ist, dass man häufig durch flache und/oder schmale Brücken fahren muss. Dafür legt man sich zum Teil ins Boot, macht die Skulls lang oder rudert nur einseitig. Das macht manche Etappen zwar sehr anspruchsvoll zum Steuern, aber auch deutlich interessanter und es kommt weniger Langeweile im Boot auf.

Eine weitere Schwierigkeit, die wir meistern mussten, war, dass das Tracking unseres Bootes irgendwann ausgefallen ist. Dann wussten wir an den Wechselstellen nicht mehr genau, wann wir kommen und mussten deutlich vorsichtiger sein, dass wir nicht zu spät da sind. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber zum Glück schon Boote, an denen wir uns ungefähr orientieren konnten. Auch der Versuch, ein Handy mit Live-Standort ins Boot zu legen, funktionierte nicht. Zum Glück ging das Tracking irgendwann wieder.

Mittlerweile war auch das „Können wir das schaffen? – Jo, wir schaffen das!“ bzw. „Ja, ich denke schon.“ nicht mehr so euphorisch wie am Anfang, aber wir waren weiterhin frohen Mutes.

Wir durften auch spüren, warum die Sturmroute gefahren wurde. Gerade zum Morgen hin hatten wir beachtlichen Gegenwind, was das Rudern zum Teil sehr erschwert hat. Aber die gute Nachricht war, die anderen Teams kamen auch nicht besser mit dem Wind klar. Am Samstagvormittag durften wir dann sogar noch ein paar Sonnenstrahlen abbekommen, was zu einigen Sonnenbränden führte.

Währenddessen perfektionierte Christian noch einmal seine bereits aus dem letzten Mal Leeuwarden bekannte Fähigkeit, Stempel in Rekordzeit zu holen. An jeder Stempelstelle sprintete er los und war schon wieder zurück, bevor wir überhaupt mit dem Wechseln fertig waren.

Auch Ina und Marcel nutzten bereits erlernte Fähigkeiten aus früheren Regatten. Während die anderen Teams die Etappen mit einem recht durchschnittlichen Tempo zurücklegten, dachten sich die beiden nur: „Das ist unsere Chance!“ und legten ein beachtliches Tempo hin.

Es gab für drei von uns noch ein Überraschungsmoment. Durch einen kleinen Fehler in unserer Planungsliste kam es aus Versehen dazu, dass Michel und Johannes angekündigt wurde, sie würden jetzt 6,9 Kilometer rudern, geworden sind es 9,6 Kilometer. Zusätzlich mussten sie aufgrund eines Navigationsfehlers des Landteams selbstständig stempeln, da dieses nicht zur Stempelstelle, sondern zur Wechselstelle gefahren ist.

Eine Wechselstelle, die in den letzten Jahren noch zur Verfügung stand, konnte nicht mehr genutzt werden. Das war korrekt in dem Karten eingezeichnet, hat es aber nicht auf die Liste und auch nicht ins Navi geschafft. Die beiden haben es aber super gemeistert und sind etwas erschöpft aber gut bei der Wechselstelle angekommen.

Zum Schluss wurde es dann noch einmal richtig spannend: Wir lieferten uns auf der vorletzten Etappe ein Rennen mit den Nummern 16, 25 und 31, was dazu führte, dass vier Boote parallel an der letzten Wechselstelle ankamen. Dort versuchten wir und Team 31, den Wechsel möglichst schnell hinter uns zu bringen, um uns einen entscheidenden Vorteil für die letzte Etappe zu sichern.

Team 16 und 25 waren Bullenteams, weshalb sie nicht gewechselt haben. Auf der letzten Etappe war die Nummer 31 dann unser Hauptkonkurrent. Aber Kai und Anna gesteuert von Johannes, ließen sie nicht an sich vorbeiziehen und so kamen wir mit 50 Sekunden Vorsprung ins Ziel.

Mit unserer Zielzeit von 18 Stunden 33 Minuten und 23 Sekunden sind wir als „absolut durchschnittliches Team“ durchaus zufrieden.

Dann gab es noch den obligatorischen Kuchen mit gefühlten 1000 Kalorien und die Medaillen. Abgerundet wurde das Ganze mit einem „Haben wir das geschafft? – Jo, wir haben´s geschafft!“.

Nachdem wir noch schnell unser Boot wieder in den „Normalzustand“ versetzt hatten, also alles entfernt, was wir an Bootstechnik und Zubehör angebracht hatten, und anschließend die Paella gegessen hatten, sind wir zügig zum Campingplatz gefahren.

Nach dem Ausräumen des Autos und weiterem Aufräumen (und natürlich einer guten Dusche) saßen die meisten von uns noch gemeinsam und haben Mäxchen oder Meiern gespielt, wie man es nennen möchte. Und dann ging es auch bald ins Zelt, weil wir alle den Schlafmangel irgendwann deutlich gespürt haben.

Pünktlich um 8:30 Uhr gab es am nächsten Tag Frühstück. Gemeinsam haben wir dann noch die Boote abgeriggert und aufgeladen, das Küchenzelt abgebaut und den Platz wieder aufgeräumt. Nach einem kleinen Shoppingtrip, um den Liebsten oder sich selbst noch niederländische Spezialitäten mitzubringen, ging es dann auch schon zum traditionellen Frikandel-Katamaran-Essen.

Die Rückfahrt verlief dann recht ruhig. In Hamburg angekommen wurden dann die Anhänger schnell ausgeladen, die Boote wieder aufgeriggert, bzw. auf die richtigen Anhänger geladen, das restliche Essen verteilt und dann ging es schnell für alle ins wohlverdiente Bett.

Zum Abschluss muss an dieser Stelle unbedingt noch erwähnt werden, dass wir ohne Franzis absolut herausragende Planung vermutlich deutlich weniger entspannt durch dieses Wochenende gekommen wären. Sie hatte wirklich alles im Blick. Von den Etappen über die Verpflegung bis hin zu den kleinsten organisatorischen Details, die man selbst gar nicht auf dem Schirm gehabt hätte.

Vielen Dank dir! Wir wissen wirklich zu schätzen, wie viel Aufwand das war und wie viele Hindernisse du auf dem Weg bewältigen musstest.

Geschrieben von Julika