Ruder-Club Süderelbe » Berichte » 14_08 WM Amsterdam

Weltmeisterschaften Amsterdam

Achtung, fertig, . . . es geht los!

Der größte Teil der Mannschaft ist schon am Mittwoch abgereist in Richtung Amsterdam, und so haben wir uns die letzten Tage den Ratzeburger See nur noch mit den Seglern, den Wellen und den Blesshühnern geteilt. Langeweile macht sich breit, weil wir nicht mehr so viel trainieren - zweimal 45min am Tag, das war's. Den Rest des Tages versuchen wir, die Zeit totzuschlagen mit Lesen oder Spazierengehen. Trotz allem trifft uns die Erkenntnis, dass es nur noch vier Tage sind bis zum Vorlauf dann doch recht überraschend, als am Donnerstag die Vorbelastung auf dem Programm steht. Heute hieß es dann Boot einpacken und aufladen - morgen früh geht's endlich los nach Amsterdam!

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Die Kindergruppe aus dem Verein hat mir ein sehr nettes Motivationsvideo geschickt... Danke!!

Leider werden unsere Rennen nicht im Fernsehen übertragen, ab er zumindest zum Finale gibt es einen Video-Livestream auf worldrowing.com.

Morgen geht’s los - ein paar allerletzte Infos

Nur noch einmal schlafen, dann ist Vorlauf... die Spannung steigt. Aber ich bin richtig froh, dass es jetzt losgeht!!

Letzte Infos für euch Neugiersnasen:
Es wird morgen aller Vorraussicht nach zwei Vorläufe geben, den ersten um 15:08 mit GER, ITA, USA, MEX, CZE und uns. Der zweite Vorlauf startet um 15:15 mit GBR, NED, AUS, CHN.

Jeweils die ersten zwei Boote qualifizieren sich für das Finale A, alle anderen Boote treten dann im Hoffnungslauf an, über den sich noch weitere 2 Teams fürs Finale qualifizieren können.

So wie das heute aussah, werden die Vorläufe als "normale" Rennen gegeneinander ausgetragen, bei sehr unfairen Bedingungen kann aber auch auf sogenannte "Time trials" ausgewichen werden, bei denen alle Boote nacheinander auf der selben Bahn fahren und anschließend die Zeiten ausgewertet werden (aber im selben Qualifikationsmodus, als wären zwei Vorläufe gefahren worden.)

Vorlauf

Der Vorlauf ist gerudert - und wir haben es tatsächlich direkt ins Finale geschafft! Wir konnten schon am Start die Bugspitze nach vorne schieben und die (wenn auch knappe) Führung kontinuierlich ausbauen. Am Ende sah das Ergebnis unseres Vorlaufes aus wie folgt:
GER (06:48)
ITA (06:50)
USA (06:53)
MEX (07:01)
CZE (07:10)

Der zweite Vorlauf war zumindest nach den Zeiten deutlich schneller. Hier erstmal das Ergebnis:
NED (06:41)
AUS (06:43)
CHN (06:46)
GBR (06:48)

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Damit stehen außer uns auf jeden Fall schon mal Italien, Niederlande und Australien im Finale, um die letzten beiden Finalplätze streiten sich die übrigen Boote morgen im Hoffnungslauf. Wir werden auf jeden Fall hinfahren um uns das anzusehen - das wird hoffentlich auch helfen, die Vorlaufzeiten besser einzuschätzen, weil noch können wir uns noch nicht ganz vorstellen, dass GBR genauso schnell sein soll wie wir. Auf jeden Fall wird's spannend im Finale - das Boot lief zwar schon deutlich besser als im Relationsrennen, aber ein bisschen können wir bestimmt noch draufpacken... Meinem Gefühl nach ist aber echt jede Platzierung von zwei bis sechs denkbar. Es bleibt spannend...

Das Finale - Celebrate Rowing!

Und plötzlich war er dann doch gekommen, der Finaltag... Markus hatte uns am abend vorher noch jedem einen "Spickzettel" für unters Kopfkissen geschrieben, mit den Punkten, an die wir während des Rennens denken sollten - meiner war recht lustig, da stand nämlich:

Strecke: früh, flach, locker
noch ein bisschen Text, damit der Zettel voller aussieht von außen

Dazu in der Besprechung die Bemerkung "bei dir mach' ich mir eh' keine Sorgen." Aha, okay...

Am nächsten morgen fing sie dann an, die Warterei, während der wir ruderten, Brote schmierten, spazieren gingen, schliefen, Musik hörten, sehr sorgfältig Taschen packten, die Taschen wieder auspackten um zu kontrollieren, ob wir auch wirklich alles eingepackt hatten, sorgfältig wieder alles einpackten und ich mit meiner whatsapp community ausdiskutierte, ob das Rosinenbrötchen mit Erdnussbutter nun ein gutes Frühstück war oder nicht.

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Jeder bekämpft die Nervosität auf seine Weise, und so hat Markus sehr viel Zeit investiert um nochmal alle Bootseinstellungen nachzumessen. Um 15:30 durften wir dann endlich auf die Waage, und ab da geht's dann sowieso meistens sehr schnell...

Das Wetter war so wie in Ratzeburg geübt, ein paar Wellen und mächtig Wind... mit unseren extra lang eingestellten Außenhebeln kamen wir kaum hoch zum Start... Am Start dann noch eine kurze Schrecksekunde - hätten die Holländer doch fast ihr Boot an der Startbrücke zerdeppert... hat ordentlich gescheppert, zum Glück ist aber alles heil geblieben.

Es folgte das bisher kürzeste 2000m-Rennen meiner Karriere - nach gefühlten 3 Schlägen flogen wir an der 500m-Marke vorbei, bei 1000m dachte ich mir "echt, jetzt schon???"  etwas später hatten wir dann auch schon den Endspurt eingeläutet und China damit endgültig auf Platz vier verjagt. Schön rudern ist anders, aber bei dem Wind ziemlich schwierig zu bewerkstelligen. Meine Glückwünsche an die Holländerinnen, die das hinbekommen haben. (Das ist die Boots-Innensicht... ich schaue grundsätzlich nicht raus, ansonsten hätte ich euch wohl schildern können, wie wir uns von Platz 5 auf Platz 3 vorgearbeitet haben, aber das hab ich ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen... Ihr könnt euch das Rennen aber auf www.worldrowing.com in voller Länge ansehen).

Die Zielzeiten waren durchweg extrem schnell an diesem Tag, die Siegerinnen aus den Niederlanden konnten den Weltrekord um 9 Sekunden verbessern und auch die zweitplatzierten Australierinnen und wir waren noch schneller als der alte Rekord. China musste sich mit Platz 4 begnügen, Italien wurde Fünfter und Großbritannien landete auf Platz 6. Die Siegerehrung war nochmal ein sehr besonderes Erlebnis: Die gesamte, brechend volle Tribüne hat die niederländische Hymne mitgesungen. Was für ein Moment!!

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Abends gabs dann die wahrscheinlich beste Pizza meines Lebens, und den Rest des Wochenendes kann man sich noch gut mit Amstersam und restliche Finals angucken vertreiben.

An dieser Stelle: ganz herzlichen Dank an alle, die uns in den letzten Wochen unterstützt, mitgefiebert und Daumen gedrückt haben! Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht!

PS: ach ja, die Zettel... Leonies war nach Streckenabschnitten aufgeteilt, und Katrin sollte einen Spurt an einer Stelle ansagen, wo Leonie keinen fahren sollte - geklappt hat's ja trotzdem...

Judith Anlauf